Refsum-Syndrom

Das Refsum-Syndrom (Synonyme: Refsum-Thiébaut-Krankheit, Heredopathia atactica polyneuritiformis, Morbus Refsum, Hereditary motor and sensor neuropathy IV, HMSN IV, Phytansäurespeicherkrankheit, MIM# 266500) ist eine autosomal-rezessiv erbliche peroxisomale Stoffwechselstörung. Benannt wurde es nach dem norwegischen Arzt Sigvald Refsum (1907 bis 1991), der diese Krankheit zuerst beschrieb.

Ursache, Symptome und Verlauf

Die hauptsächliche biochemische Abnormalität ist die Akkumulation von Phytansäure, einer gesättigten, verzweigtkettigen Fettsäure. Da sich bei Phytansäure an der β-Position eine Methylgruppe befindet, kann diese Fettsäure nicht direkt durch mitochondriale oder peroxisomale β-Oxidation metabolisiert werden. Demnach wird sie der peroxisomalen α-Oxidation unterzogen, für die das Enzym Phytanoyl–CoA-Hydroxylase verantwortlich ist. Ist dieses Enzym defekt, kommt es zum klinischen Erscheinungsbild des Morbus Refsum. Die Krankheit ist genetisch heterogen: Das defekte Enzym ist entweder die Phytanoyl–CoA-Hydroxylase selbst oder aber Peroxin-7, das für den Transport der Phytanol–CoA-Hydroxylase in die Peroxisomen verantwortliche Transportprotein.

Die vier großen Merkmale des Syndroms sind Retinopathia pigmentosa mit Nachtblindheit und progredienten Gesichtsfeldeinschränkungen, periphere Polyneuropathie, Ataxie (d. h. Unfähigkeit zur Koordination von Muskelbewegungen) und erhöhtes Protein im Liquor cerebrospinalis ohne Pleozytose (d.h. Zellvermehrung). Andere Charakteristika können Nystagmus, Ichthyose, sensorineuralen Hörverlust, Katarakte, erhöhte Gefahr für das Auftreten eines Winkelblockglaukoms, Mikrosmie, kardiale Rhythmusstörungen, Kardiomyopathie, geringgradige Skelettdeformitäten, Epiphysenmissbildungen, renale Funktionsstörungen und ehöhte Leberparameter umfassen.

Der Verlauf ist schubförmig mit Teilremissionen und akuten Exazerbationen vor allem bei metabolischem Stress während Operationen, Infekten, verminderter Kalorienzufuhr, Schwangerschaft oder schweren Erkrankungen, bei denen viel Phytansäure aus Leber und Körperfettgewebe freigesetzt wird. Die Symptomatik beginnt in einem Alter von der frühen Kindheit bis zu 50 Jahren, meistens aber im 2. oder 3. Lebensjahrzehnt. Männer und Frauen sind zu gleichen Teilen betroffen. Unbehandelt kommt es zu Ertaubung und Erblindung etwa um das 40.Lebensjahr. Lebensgefährlich können die während der Exazerbationen auftretenden akuten Rhythmusstörungen sein.

Behandlung

Das Refsum-Syndrom ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht heilbar. Der Verlauf kann aber durch eine Therapie zum Stillstand gebracht werden. Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass Phytansäure ausschließlich mit der Nahrung aufgenommen wird. Nahrungsmittel, die Phytansäure enthalten, schließen Molkereiprodukte ein, Rindfleisch, Reh- und Hirschtiere, Ziegen, Thunfisch, Kabeljau, Schellfisch und Lamm. Als Therapie wird neben einer Phytansäure-armen Diät eine Substitution der Vitamine A, C und E angestrebt. Wichtig, vor allem zu beginn der Diät, ist es, auf ausreichende Kalorienzufuhr zu achten, um Exazerbationen durch Mobilisierung von Phytansäure aus dem Fettgewebe zu vermeiden.

Ernährungsbeschränkungen von Nahrungsmitteln, die Phytansäure enthalten, verringern deren Plasmakonzentration und Phytanvorratslager bzw. –depots im Körper werden aufgebraucht. Bei Einhalten der Diät ist unter Umständen die periphere Neuropathie zum Stillstand zu bringen und die Ichthyose heilt ab. Auch bei den Augen- und Ohrensymptome findet keine Progression mehr statt, auch wenn diese nicht mehr regredieren. Plasmapherese hat sich als effektiv für eine positive initiale Reaktion und bei schweren Schüben erwiesen. Diese Therapie, wenn sie konsequent und so früh wie möglich angewandt wird, ist sehr effektiv.


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